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About J. Schötz

Diplom Sozialwissenschaftlerin, ECA zertifizierte systemische Personal und Team Coach sowie zertifizierte wingwave® Coach. Ich habe in den letzten zwanzig  Jahren in unterschiedlichen, global operierenden Unternehmen und politischen Institutionen als Führungskraft gearbeitet, Veränderungsprozesse begleitet und Teams entwickelt. Auch kenne ich die Herausforderungen, berufliche und private Themen in Einklang bringen zu müssen.   Gern stelle ich Ihnen meine Kompetenzen und Erfahrungen vertrauensvoll zur Verfügung und unterstütze Sie, Ihre persönlichen Ziele und Wünsche umzusetzen, neue Perspektiven zu finden, Probleme zu bewältigen, Krisen zu überstehen oder einen neuen Sinn im Leben zu finden.
  1. Unser inneres Kind

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    „Ein vollständiger Erwachsener erwächst aus einem vollständigen Kind. Es ist nicht erforderlich, das Kind zu zerstören, damit der Erwachsene hervortreten kann. Wir alle müssen unser inneres Kind finden und heilen, damit wir vollständig werden.“ (Namua Rahesha)

    In diesem Zitat steckt die Erkenntnis, dass wir uns mit unserem inneren Kind auseinander setzten müssen, um ein zufriedenes Leben führen zu können.

    Der Blick in die Vergangenheit

    Erfahrungen, Sehnsüchte und Verletzungen aus unserer Kindheit begleiten uns bis ins Erwachsenenalter, da es unsere ersten Erfahrungen waren, die wir in unserem Leben machten. Im übertragenen Sinne legen diese Erfahrungswerte unsere unbewusste emotionale Formatierung fest. Bei emotionalen Verletzungen aus der Kindheit beispielsweise entwickeln wir Vermeidungsstrategien im Erwachsenenalter, da wir instinktiv versuchen eine erneute Verletzung zu vermeiden. Das geschieht unbewusst, wie ein inneres Programm, dass aktiviert wird, sobald bestimmte Situationen auftreten. Wir regieren dann in einem für uns praktikablen Verhaltensmuster.

    Die Auslöser dieses Programms sind vielfältig und nicht auf den ersten Blick durchschaubar, da wir im Erwachsenenleben auf andere Situationen treffen als in der Kindheit. Ein Konflikt mit dem Partner oder Kollegen deuten wir nicht als die Wiederholung eines inneren Konfliktes aus Kindertagen. Sie sind nicht gleich, jedoch die aufkommenden Emotionen sind redundant. Problematisch ist, das diese unbewussten Muster oder Programme immer wieder Konflikte und Unzufriedenheit verursachen und wir oft nicht wissen, warum.

    Wie kann das Muster durchbrochen werden?

    Dieses interne Programm oder Muster kann durch die Bewusstwerdung, warum wir etwas auf eine bestimmte Weise tun, durchbrochen werden. In der einschlägigen Literatur wird oft von der Versöhnung mit dem inneren Kind gesprochen. Konkret bedeutet das, dass wir uns beispielsweise im Coaching, mit den emotionalen Erlebnisse, Verletzungen und Sehnsüchten aus der Kindheit auseinandersetzten. Wir hören dem Kind zu und erhören die Bedürfnisse und Kränkungen. Sie werden ausgesprochenen somit anerkannt, fassbar und heilbar.

    Dieser Prozess ist schmerzhaft und wichtig. Denn sobald wir wissen, was wir uns wirklich wünschen und hoffen, wird die Sicht auf die Bedürfnisse im Hier und Jetzt klar. Beispielsweise, wenn jemand Handlungen und situativen Bewertungen nach Bewertungen anderer Personen ausrichtet, gibt das Klarheit über die Bedürfnisse desjenigen. Es werden emotionale Erwartungen an diese Anpassung geknüpft, wie Dankbarkeit, Anerkennung, Aufmerksamkeit oder Zuwendung, welche in der Kindheit nicht in einem ausreichenden Maß zur Verfügung standen.

    Der Neubeginn

    Durch das Bewusstsein, warum wir in manchen Situationen anders reagieren, können wir uns neu orientieren und unsere Verhaltensweisen verändern. Können unsere Bedürfnisse oder Sehnsüchte klar benennen und unser tägliches Leben neu ausrichten.

    Die Gefühle und Bedürfnisse in uns wollen gehörten werden, auch wenn wir dies nicht zwingend an eine bestimmte Person oder Situation richten können. Ist dies einmal geschehen, kann emotional abgearbeitet werden und losgelassen werden.
    Durch diese Anhörung und Wertschätzung der emotionalen Welt unseres inneren Kindes können wir Raum für Aussöhnung und Neuanfang geben.

    (Mehr zu Thema: „Das Kind in dir muss Heimat finden“ von Stefanie Stahl, erschienen bei Kailash)

  2. Buchempfehlung „Das Große Buch der Gefühle“

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    „Das große Buch der Gefühle“ von Udo Baer und Gabriele Frick-Baer, erschienen im Beltz Verlag.

    Ich bin ein großer Fan dieser beiden Autoren, denn in diesem Buch findet sich eine wunderbare Übersicht der menschlichen Gefühlswelt. Jedes Gefühl wird vorgestellt und anhand von Beispielen erklärt. So zeichnet der Inhalt des Buches ein komplexes Bild der schönen, gefährlichen und verdrängten Gefühle. Umfassend wird die Entstehung der Emotionen, deren Ausdrucksform und der Umgang mit Emotionen erläutert und durch zahlreiche Überlegungen aus der Philosophie und der Literatur illustriert.
    Die Autoren zeigen auf, welch ein Gewinn es ist, sich mit seiner Gefühlswelt auseinander zusetzten, denn sie gibt Aufschluss über die Persönlichkeit, die persönliche Lebensgeschichte und der Entwicklung.

    Ich kann das Buch nur wärmstens empfehlen, denn „Wer seine Gefühle kennt, lebt besser.“

  3. Work-Life-Balance

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    Das Thema Work-Life-Balance ist hochaktuell. Neueste Veröffentlichungen zum Thema zeigen, dass Arbeiten und Leben nicht getrennt, sondern als großes Ganzes verstanden werden sollten. Der Autor Thomas Vasek fordert ein Umdenken: Arbeit muss als ein Teil unseres Lebens verstanden werden und nicht als lästige oder schnell zu erledigende Notwendigkeit auf dem Weg zum ersehnten Feierabend. Denn Arbeit bindet in die Gesellschaft ein, stiftet Sinn und gibt Struktur im Alltag.

    Arbeitszeit ist Lebenszeit.

    Arbeitszeit und private Zeit lassen sich in der heutigen Zeit nicht mehr trennen. Der technische Fortschritt macht es möglich, dass Bereiche der Arbeit nicht mehr an Ort und Zeit gebunden sind. Wir können entscheiden, wann und wo wir welcher Tätigkeit nachgehen. Jetzt stehen wir vor der Herausforderung unsere täglichen Tätigkeiten so zu strukturieren, dass diese zielführend, zufriedenstellend und somit sinnvoll sind.

    Was ist zielführend und zufriedenstellend?

    Der Begriff Arbeit steht in erster Linie für einen Vorgang: Tätig werden mit der Erwartung ein bestimmtes Ergebnis zu erreichen. Ist das Ergebnis erreicht und entspricht den Erwartungen, war unsere Tätigkeit sinnhaft. Sinnhaft kann eine finanzielle Vergütung, Erfolg, persönliches Glück oder Zufriedenheit über das Ergebnis sein. Arbeit ist eine sinnhafte Tätigkeit im Berufs- oder Privatleben. Unser Alltag ist geprägt von Tätigkeiten mit einem klaren Sinn und Tätigkeiten mit einem vermeintlichen Sinn. Jeder muss für sich klären, welchen Sinn oder Zweck von einer Tätigkeit erwartet und nachgegangen wird. Gehen wir Tätigkeiten nach, die wir als sinnentleert empfinden, führt das zu Stress und Unzufriedenheit.

    Die Sinnhaftigkeit ist individuell sehr verschieden. Für den einen sind Tätigkeiten im Haushalt sehr sinnstiftend, für den anderen sinnlos, da diese täglich auf ein Neues immer wieder ausgeführt werden. Die Sinngebung unsere Tätigkeiten konstruiert sich aus den Antworten folgender Fragen:

    • Wer bin ich?
    • Was will ich?
    • Welche Ziele habe ich?
    • Wer will ich sein?
    • Wie definiere ich meine Rollen?
    • Was wird erwartet?

    Sind Antworten gefunden und Ziele definiert, werden zugleich auch Prioritäten klar, eigene Erwartungen von Fremderwartungen getrennt und Glaubenssätze aufgelöst. Wenn klar ist, was für uns sinnhaft und lohnend ist, wird es möglich das Leben bzw. den Alltag neu zu ordnen, Wichtiges vom Unwichtigen zu trennen und das Leben in Balance bringen.

    Wenn das so einfach ist, warum sind wir dann nicht alle in Balance?

    Wir alle gehören Systemen an – Systemen der Gesellschaft, der Berufs- und privaten Lebenswelt. Diese Systeme signalisieren uns durch Glauben, Wertvorstellungen, Normen und Regeln, welche Pflichten und Aufgaben wir zu absolvieren haben, um erfolgreich und zufrieden zu sein. Fraglich ist, ob diese Pflichten und Aufgaben wirklich in unserem Sinne sind. Selbstverständlich müssen wir für unseren Unterhalt und unser Wohlergehen sorgen, dies steht außer Frage. Zur Diskussion steht vielmehr, wie wir das tun. Also welche Tätigkeiten wirklich und ganz radikal nötig sind, um für uns zu sorgen und welche nicht.
    Zum Beispiel:

    • Aufgaben oder Pflichten, deren Sinn darin besteht, die Erwartungen Anderer zu erfüllen,
    • Rollenbildern zu entsprechen,
    • antrainierte Verhaltensweisen abzurufen oder
    • Glaubenssätzen zu folgen.

    Wird jeder Lebensbereich (Arbeit, Familie, Freundeskreis, Hobby, etc.) genau betrachtet, wird man Tätigkeiten finden, welche unter die oben genannten Beispiele fallen. Wenn man es schafft, hier im wahrsten Sinne des Wortes in seinem Leben aufzuräumen und den „sinnlosen“ Ballast abzuwerfen gelingt die Balance.

    Um aufzuräumen und in die Balance zukommen, braucht es Raum und Zeit. Es ist als Prozess zu verstehen, den man durchläuft, um den Bedürfnissen, Wünschen und Sehnsüchten auf die Spur zukommen. Weiß man schlussendlich was man will kann man danach handeln und das Leben in Balance gestalten. Ein regelmäßiges Nachjustieren bleibt allerdings nicht aus.

    Ein Personal Coaching kann diesen Prozess gestalten und unterstützen Work-Life-Balance zu leben.

  4. Buchempfehlung „Die Psychologie des Gelingens“

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    „Die Psychologie des Gelingens“ von Gabriele Oettingen (Pattloch).

    Die Autorin des Buches „Die Psychologie des Gelingens“ zeigt die Grenzen des positiven Denkens auf. Positiv an unsere Ziele zu denken reicht nicht aus, um ins Handeln zu kommen. Zahlreichen Studien von Frau Oettingen veranschaulichen, dass positives Denken an einen Wunsch oder Ziel die Energie für die Illusionen, das Träumen oder das Schwelgen verbraucht, jedoch nicht um aktiv an der Erfüllung des Wunsches oder Zieles zuarbeiten. Für die Erreichung der Ziele und Wünsche brauchen wir mehr. Frau Oettingen hat eine Methode entwickelt, welche es möglich macht, zu träumen und dennoch die Energie aufzubringen, um den Traum Wirklichkeit werden zu lassen, kurz WOOP genannt.

    WOOP steht für „Wish, Outcome, Obstacle, Plan“ oder „Wunsch, Ergebnis, Hindernis, Plan“.

    Die vier Begriffe beschreiben die Schritte dieser Methode.

    Wunsch oder Anliegen: Hierbei denken Sie an etwas, das Ihnen sehr am Herzen liegt und stellen sich Ihren Wunsch vor.

    Ergebnis: Hier fragen Sie sich, wie das bestmögliche Ergebnis aussieht, das Sie sich von der Erfüllung des Wunsches erhoffen.

    Hindernis: Bei diesem Schritt geht es um die Frage, was das größte Hindernis ist, was diesem Wunsch im Weg steht.

    Plan: Hier entwickeln Sie einen sogenannten Wenn-dann-Plan für den Umgang mit diesem Hindernis.

    Wie und Warum das Konzept funktioniert, wird in dem Buch an zahlreichen Beispielen veranschaulicht. Das Buch ist kein Ratgeber im üblichen Sinne, sondern eine Sammlung von Studienergebnissen und Beispielen, die eine neue Richtung weisen hin zur aktiven Zielerreichung durch mentales Kontrastieren.

  5. Buchempfehlung

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    Ulrich Schnabel „Was kostet ein Lächeln? Von der Macht der Emotionen in unserer Gesellschaft“ (erschienen im Karl Blessing Verlag)

    Unter der Vielzahl der kürzlich erschienen Bücher zum Thema Psychologie und Emotionen ist mir das Buch von Ulrich Schnabel aufgefallen. Schnabel erzählt aus seinem Leben und seiner Gefühlswelt und vermittelt quasi im Vorbeigehen anhand schöner Beispiele, Wissen und Forschungsergebnisse aus der Psychologie und Emotionsforschung.

  6. Der Eigensinn

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    Der Eigensinn wird oftmals missverstanden als Egoismus oder Rücksichtslosigkeit. Dadurch hat er zu Unrecht ein aggressives Image.

    Was ist der Unterschied?

    Ein egoistischer Mensch drückt ohne Rücksicht auf andere seine Bedürfnisse und Ziele durch.
    Ein eigensinniger Mensch setzt sich für seine Rechte und Interessen ein, OHNE andere zu verletzen oder zu schädigen

    Der Eigensinn hat viel mit der eigenen Wahrnehmung zu tun.

    • „Eigen“ = „Selbst“
    • „Sinn“ = „sinnlich“ oder „fühlend“

    Der Eigensinnige begegnet sich selbst respektvoll, wertschätzend. Er ist sich seiner selbst bewusst. Er kennt seine Wünsche, Bedürfnisse und Grenzen und kann sie anderen gegenüber respektvoll formulieren, frei von der Annahme, andere von der eigenen Haltung überzeugen zu müssen.

    Das Besondere ist, dass der Eigensinnige sich so im Alltag nicht aus den Augen verliert. Er hinterfragt nicht immer wieder, ob die Anforderungen oder Bitten von außen zu ihm passen oder nicht. Ein eigensinniger Mensch wird also nicht blind zu allem Ja und Amen sagen. Er sagt auch mal Nein. Problematisch ist , dass wir ungern negativ auffallen wollen. Und ein Nein ist negativ. Wir hoffen und finden es erstrebenswert, von allen geliebt zu werden.

    Unserer Kindheit liegt durch die Schule eine Haltung des Gehorsams zugrunde und die Brechung des Eigensinns. Wer nicht auffällt, ist gut. Der Pädagoge Kurt Singer nannte es den „Folgsamkeitsreflex“. Aus diesem Reflex heraus resultiert jedoch der Mangel an Mut, ein Nein klar zu äußern.

    Das Kind in uns will folgsam sein.

    Der Eigensinnige überwindet den Reflex und handelt unter Betrachtung des Selbst.
    Dieser Sinn für das Eigene macht es möglich autonom zu agieren und persönliche Grenzen zu schützen. Somit behält er die Zügel für sein Leben immer in der Hand und kann selbst sein Leben gestalten.

    Eigensinn kann man lernen.

    In der aktuellen Ausgabe der Psychologie Heute 03/16 werden folgende Übungen genannt. Basis der Übungen ist: „Fake it till you make it“ – Tun Sie einfach mal so als wären Sie ein eigensinniger Mensch.
    Zum Beispiel:

    • Zuckerguss weglassen: Verzichten Sie auf abschwächende Floskeln.
    • Trainieren Sie das Nein: Sagen Sie bewusst Nein, auch wenn es kein Problem wäre, die Bitte des Anderen zu erfüllen.
    • Kein „es tut mir leid, aber“: Lehnen Sie unerwünschte Einladung oder Forderung ab ohne sich zu entschuldigen oder Gründe dafür anzugeben.
    • Rechtfertigen Sie kein Nein.
    • Abwarten: Hören Sie sich einen Vorschlag erst genau an, halten Sie inne und fragen Sie sich, was Sie wirklich wollen.
    • Üben Sie in einer Gruppe, eine andere Meinung zu vertreten.
    • Äußern Sie einen Wunsch sofort und warten Sie nicht, bis ein anderer ihre Wünsche genannt hat. Wiederholen Sie Ihre Wünsche oder Forderungen, wenn diese beim ersten Mal nicht gehört worden sind.
  7. Die Würde

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    Was ist Würde eigentlich?

    Das ist schwer zu beschreiben und wenig greifbar. Jedoch spüren wir sehr deutlich, wenn sie uns genommen wird. Im Grundgesetz heißt es: „Die Würde ist unantastbar.“. Dennoch wird sie täglich überall auf der Welt angetastet, verletzt oder gänzlich genommen.

    Den Verlust der Würde spüren wir beispielsweise im beruflichen Bereich, wenn unsere Arbeit wenig oder gar nicht gewürdigt – sozusagen ignoriert – wird. Ein äußerst schmerzliches Gefühl. Insbesondere wenn das was wir tun, uns wichtig ist oder viel Energie gekostet hat. Dieses Gefühl der Missachtung, des Nicht-Gewürdigt- oder Nicht-Gesehen-Werdens nagt unerbittlich an unserem Selbstwert und an unserer Würde. Mobbing funktioniert genau auf dieser Ebene. Oft kommt noch die Beschämung dazu, wenn etwas Persönliches oder Intimes in den Mittelpunkt der Öffentlichkeit gezogen wird.

    Warum ist es überhaupt möglich, so unsere Würde zu verletzen oder sie zu nehmen?

    Der Würde liegen das Handeln und die Reaktion unseres Gegenübers zugrunde. Erst im Spiegel des anderen finden wir uns selbst. Bleibt das Spiegeln aus, läuft unser eigenes Erleben ins Leere und die Würde fällt in Nichts. Wir sind dann nicht mehr in der Lage unser Selbst zu verorten, weder im Gefühl noch im Erleben. Geschieht dies immer wieder, verlieren wir unseren Selbstwert. Ein Arbeitsplatz kann so zur absoluten Hölle werden und krank machen.

    Die gute Nachricht:

    Trotz allem ist es möglich, die Würde wieder zu erlangen. Dazu sind aber Veränderungen in den Lebensumständen, in der persönlichen Sichtweise und positives Feedback durch andere nötig. Die eigene Würdigung des Selbst ist jedoch der wichtigste Aspekt. Das bedeutet, sich selbst zu würdigen, wertzuschätzen und zu respektieren. So, wie man ist mit allen Seiten an sich. Den Hellen und den Dunklen. Das setzt jedoch voraus, sich mit sich selbst zu beschäftigen, sich und seinen Körper kennenzulernen, sich selbst wahrzunehmen und mit sich liebevoll umzugehen. Insbesondere die eigenen Grenzen des Wohlbefindens auszuloten, zu stärken und zu schützen. Daraus resultiert die Entwicklung des Eigensinns, der ein selbstbestimmtes und selbstbewusstes Leben ermöglicht.

    Unsere Würde zu schützen und zu stärken ist ein lebenslanger Prozess, der es jedoch in jedem Fall wert ist, um ein zufriedenes und ausgeglichenes Leben zu führen.

    Mehr zu dem Thema in: „Würde und Eigensinn“ von Udo Baer und Gabriele Frick-Baer erschienen im Beltz-Verlag.

  8. Die Enttäuschung

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    Jeder von uns kennt den Moment, in dem wir feststellen, dass etwas oder jemand nicht so ist, wie wir uns es vorgestellt und erwartet haben. Eine Erwartung wurde nicht erfüllt und das enttäuscht uns. Manchmal ist die Enttäuschung so groß, dass dieses bittere Gefühl lange an uns nagt. Besonders wenn uns ein Mensch enttäuscht hat, dem wir uns nah fühlten.

    Was passiert, wenn wir enttäuscht werden?

    Die Antwort finden sich Wort ENTTÄUSCHUNG selbst:

    „Ent-Täuschung“ – eine Täuschung wird aufgedeckt oder enttarnt.

    Wenn wir das Wort so betrachten, können wir uns vielleicht eingestehen, zuvor getäuscht worden zu sein. Entweder haben wir uns selbst getäuscht oder wurden durch die Handlungen anderer getäuscht.

    Gefühle und Erfahrungen erschaffen unsere Wirklichkeit.

    Wir täuschen uns aber nicht offensichtlich und bewusst. Die Selbsttäuschung findet in unserem Unbewussten statt. Wir neigen dazu, Informationen so auszuwählen und zu interpretieren, dass sie unseren eigenen Erwartungen entsprechen. Wir sind nicht objektiv. Das ist auch nur schwer möglich, denn jeder ist für sich in seiner eigenen Wirklichkeit eingebunden. Seiner Wirklichkeit, erschaffen aus Gefühlen und Erfahrungen.

    Die rosarote Brille unserer Erwartungen.

    Die Liebe oder vielmehr die Phase der Verliebtheit eignet sich als gutes Beispiel für den Akt der Selbsttäuschung. In der Kennlern- und Verliebtheitsphase betrachten wir den neuen Partner selektiv. Wir sehen nur die positiven Dinge und interpretieren seine Handlungen in unserem Sinne – wörtlich durch die rosarote Brille unserer Erwartungen.
    Im Laufe einer Beziehung verschwindet die rosarote Brille und wir sehen im Partner dann auch die vielleicht nicht so liebenswerten Seiten. Auf einmal deckt sich die Realität mit allen Persönlichkeitsfacetten unseres Partners nicht mehr mit unseren Erwartungen, die wir an den Partner hatten und wir werden enttäuscht.

    Aber das ist genau der Punkt: unsere Erwartung! Das übersteigerte positive und selektive Bild des Partners, definiert durch unsere Erwartung wird zu unserer Selbsttäuschung, die dann nicht mehr aufrecht zu erhalten ist. Die Täuschung wird offenbar und das oft auf emotional schmerzhafte Weise.

    In dem Moment der Enttäuschung liegt jedoch eine Chance.

    Die Chance zu korrigieren, neu auszurichten und über eigene Erwartungen nachzudenken. Enttäuschungen sind Momente der Klarheit. Sie geben Aufschluss über unsere konstruierte Wahrheit. So betrachtet, ist die Enttäuschung ein wichtiges Korrektiv, um uns neu zu orientieren. Um uns mit uns und unseren Erwartungen an das Leben und die Liebe auseinanderzusetzen.

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