• Autor:J. Schötz

Unser inneres Kind

„Ein vollständiger Erwachsener erwächst aus einem vollständigen Kind. Es ist nicht erforderlich, das Kind zu zerstören, damit der Erwachsene hervortreten kann. Wir alle müssen unser inneres Kind finden und heilen, damit wir vollständig werden.“ (Namua Rahesha)

In diesem Zitat steckt die Erkenntnis, dass wir uns mit unserem inneren Kind auseinander setzten müssen, um ein zufriedenes Leben führen zu können.

Der Blick in die Vergangenheit

Erfahrungen, Sehnsüchte und Verletzungen aus unserer Kindheit begleiten uns bis ins Erwachsenenalter, da es unsere ersten Erfahrungen waren, die wir in unserem Leben machten. Im übertragenen Sinne legen diese Erfahrungswerte unsere unbewusste emotionale Formatierung fest. Bei emotionalen Verletzungen aus der Kindheit beispielsweise entwickeln wir Vermeidungsstrategien im Erwachsenenalter, da wir instinktiv versuchen eine erneute Verletzung zu vermeiden. Das geschieht unbewusst, wie ein inneres Programm, dass aktiviert wird, sobald bestimmte Situationen auftreten. Wir regieren dann in einem für uns praktikablen Verhaltensmuster.

Die Auslöser dieses Programms sind vielfältig und nicht auf den ersten Blick durchschaubar, da wir im Erwachsenenleben auf andere Situationen treffen als in der Kindheit. Ein Konflikt mit dem Partner oder Kollegen deuten wir nicht als die Wiederholung eines inneren Konfliktes aus Kindertagen. Sie sind nicht gleich, jedoch die aufkommenden Emotionen sind redundant. Problematisch ist, das diese unbewussten Muster oder Programme immer wieder Konflikte und Unzufriedenheit verursachen und wir oft nicht wissen, warum.

Wie kann das Muster durchbrochen werden?

Dieses interne Programm oder Muster kann durch die Bewusstwerdung, warum wir etwas auf eine bestimmte Weise tun, durchbrochen werden. In der einschlägigen Literatur wird oft von der Versöhnung mit dem inneren Kind gesprochen. Konkret bedeutet das, dass wir uns beispielsweise im Coaching, mit den emotionalen Erlebnisse, Verletzungen und Sehnsüchten aus der Kindheit auseinandersetzten. Wir hören dem Kind zu und erhören die Bedürfnisse und Kränkungen. Sie werden ausgesprochenen somit anerkannt, fassbar und heilbar.

Dieser Prozess ist schmerzhaft und wichtig. Denn sobald wir wissen, was wir uns wirklich wünschen und hoffen, wird die Sicht auf die Bedürfnisse im Hier und Jetzt klar. Beispielsweise, wenn jemand Handlungen und situativen Bewertungen nach Bewertungen anderer Personen ausrichtet, gibt das Klarheit über die Bedürfnisse desjenigen. Es werden emotionale Erwartungen an diese Anpassung geknüpft, wie Dankbarkeit, Anerkennung, Aufmerksamkeit oder Zuwendung, welche in der Kindheit nicht in einem ausreichenden Maß zur Verfügung standen.

Der Neubeginn

Durch das Bewusstsein, warum wir in manchen Situationen anders reagieren, können wir uns neu orientieren und unsere Verhaltensweisen verändern. Können unsere Bedürfnisse oder Sehnsüchte klar benennen und unser tägliches Leben neu ausrichten.

Die Gefühle und Bedürfnisse in uns wollen gehörten werden, auch wenn wir dies nicht zwingend an eine bestimmte Person oder Situation richten können. Ist dies einmal geschehen, kann emotional abgearbeitet werden und losgelassen werden.
Durch diese Anhörung und Wertschätzung der emotionalen Welt unseres inneren Kindes können wir Raum für Aussöhnung und Neuanfang geben.

(Mehr zu Thema: „Das Kind in dir muss Heimat finden“ von Stefanie Stahl, erschienen bei Kailash)

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